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In der Schulzeit von 7:45 - 12:00 Uhr und nach Verabredung,

 Leitbild der Freien Waldorfschule Heidelberg


© momentimages - Fotolia.comDie Freie Waldorfschule Heidelberg (FWS HD) ist eine Gesamtschule besonderer pädagogischer Prägung.
Auf der Grundlage der anthroposophischen Menschenkunde werden Unterrichtsinhalte und -methoden darauf ausgerichtet, junge Menschen im Einklang mit ihren Entwicklungsgesetzmäßigkeiten zu bilden, zu fördern und zu erziehen. Der Lehrplan der FWS HD dient dazu, in den Kindern und Jugendlichen die ganze Vielfalt der in ihnen liegenden Begabungen zu wecken und ihnen eine breite und umfassende Allgemeinbildung angedeihen zu lassen.
Besonders die vielen praktisch-künstlerischen Fächer ermöglichen es, die Schüler zu sozial kompetenten, lebens- und handlungsfähigen Zeitgenossen zu erziehen, die gestellte Aufgaben verantwortungsbewusst ergreifen und kreativ lösen.

Der Fächerkanon der FWS HD umfasst folgende Unterrichtsfächer:
Deutsch, Mathematik, Natur- und Heimatkunde, Zeichnen, Malen, Musik (Theorie und Praxis), Holz- und Tongestaltung, Handarbeit, Gartenbau, Werken, Steinhauen, Sport, Eurythmie, Weben, Spinnen, Schauspiel, Plastizieren, Geschichte, Biologie, Menschenkunde, Chemie, Physik, Religion, Russisch, Französisch, Englisch. Außerdem gehören Klassenfahrten, ein Sozial-, ein Forst- und ein Landwirschaftspraktikum zum Lehrplan.

Die SchülerInnen bleiben von der 1. bis zur 12. Klasse im gleichen Klassenverband. Wenn freie Plätze vorhanden sind, werden SchülerInnen aus anderen Schulen in bestehende Klassen aufgenommen. Am Ende der 12-jährigen Schulzeit besteht je nach Fähigkeit die Möglichkeit, den Hauptschul- oder Realschulabschluß und die Fachhochschulreifeprüfung abzulegen. In einem anschließenden 13. Schuljahr kann das Abitur abgelegt werden. Auch mehrere aufeinander aufbauende Abschlüsse sind möglich.

Die FWS HD wurde 1982 gegründet. Sie hat zurzeit 472 SchülerInnen und 52 feste MitarbeiterInnen, davon 43 pädagogische Fachkräfte. Zum Schulganzen gehört neben der Schülergemeinschaft und dem Kollegium der Mitarbeiter die Elternschaft, auf deren Initiative hin die FWS HD gegründet wurde.
Die Führungs-, Leitungs- und Verwaltungsarbeit der Schule wird von den Mitarbeitern kollegial mittels des Delegationsprinzipes geleistet. An der Verwaltungs- und Gestaltungsarbeit wirken Oberstufenschüler (organisiert in der SchülerMitVerwaltung - SMV) und Eltern mit.

Aus Gründen der Bezuschussung (die staatlichen Zuschüsse betragen nur 62 % der Gesamtkosten) ist es notwendig, einen sozial gestalteten Elternbeitrag zu erheben. Unabhängig davon wird prinzipiell keinem Kind der Besuch der FWS HD aus wirtschaftlichen Gründen versagt.
Neben den Unterrichtsräumen stehen den SchülerInnen Räume für Arbeitsgemeinschaften (u.a. PC-Raum) ein großzügiges Schulgelände, eine Sport- und Festhalle, eine Sportwiese und ein großer Schulgarten zur Verfügung.

Das Sekretariat, die Geschäftsführung, Buchhaltung und Hausmeisterei dienen dem reibungslosen Ablauf des Schullebens. Die Schulküche sorgt dafür, dass auch der große Anteil an SchülerInnen und MitarbeiterInnen, die sich ganztägig an der Schule aufhalten, bei Kräften bleiben.

Die FWS HD ist nach Artikel 7 des Grundgesetzes eine Ersatzschule in freier Trägerschaft und somit der Regelschule gleichgestellt. Der Träger ist der Waldorfschulverein Heidelberg e.V., zu dem neben der Schule auch eine Kindertagesstätte gehört.

Das Schulprofil entspricht dem einer offenen Ganztagsschule, das heißt, dass die für alle verpflichtende Unterrichtszeit hauptsächlich im Vormittag liegt. Kindern bis zur 5. Klasse stehen jedoch auch am Nachmittag verschiedene Betreuungs- und Freizeitangebote bis 17:00 Uhr zur Verfügung. So gibt es u.a. eine Hausaufgabenbetreuung, welche von Klasse 1 - 8 genutzt wird. Für die Klassen 6 - 13 findet verbindlicher Nachmittagsunterricht in unterschiedlichem Umfang statt.
Außerdem werden nachmittags im Förder- und Initiativbereich vielfältige Aktivitäten angeboten (u.a. Förderunterricht in den Hauptfächern, Orchester, Zirkus-, Tierpflege, Computerkurse).
Für eine gute medizinische und gesundheitliche Betreuung im Rahmen der Schule sorgen insbesondere die Schulärztin und ein Therapiearbeitskreis.

Das Kollegium äußert über sich selbst:

"Uns, dem Kollegium der FWS - HD ist es ein besonderes Anliegen, die folgenden Fragen immer wieder neu zu stellen und von wechselnden Gesichtspunkten aus zu bearbeiten:

  • Was ist der Mensch und wie kann man sein Wesen erkennen?
  • Wie steht er im irdischen und kosmischen Zusammenhang?
  • Welche Aufgaben und Ziele haben sein Leben und seine Entwicklung?
  • Unter welchen Bedingungen kann sich sein Wachstum gesund vollziehen?
  • Welchen besonderen Herausforderungen muss der/die Heranwachsende in heutiger Zeit gewachsen sein?"

Das fortwährende Studium der von Rudolf Steiner gegebenen pädagogischen Grundlagen dient uns der Erforschung dieser zentralen Fragen ebenso wie der tägliche Umgang mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an unserer Schule.
In der kollegialen Zusammenarbeit und der geistigen Auseinandersetzung, im Ringen um die gemeinsamen Aufgaben suchen und gestalten wir kontinuierlich "unsere Schule". Wir begreifen sie als lebendigen sozialen Organismus mit Verwandlungen, Wachstum, Krisen und Höhepunkten.
Besonderes Anliegen ist es uns, die verschiedenen Künste fest im Lehrprogramm zu verankern und Begeisterung für die Künste zu wecken. Wir sehen Kunst nicht produktorientiert, noch möchten wir besonders viele Künstler ausbilden, sondern wir sehen die künstlerische Betätigung an als ein außerordentlich wertvolles Mittel, um die Sinnesorgane und damit die Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit des Menschen zu schulen. Wir schätzen den Wert der künstlerischen Betätigung in der Schulung sozialer Fähigkeiten, der Ausbildung von Initiativkraft, der Stärkung und Harmonisierung aller keimhaften Anlagen des jungen Menschen und nicht zuletzt auch in der Förderung kognitiver Fähigkeiten.
Wir möchten den Kindern angstfreies Lernen ermöglichen. (Im Unterschied zur Regelschule gibt es kein "Sitzenbleiben und keine Notenzeugnisse).
Es ist uns wichtig, unser Interesse und unsere Liebe zu den Fächern, die wir unterrichten, an die Kinder und Jugendlichen weiterzugeben. Die gesunde und natürliche Freude der Kinder am Lernen und Tätigsein beflügelt uns immer wieder neu, ihrem Wissensdurst Nahrung und ihrem Schaffensdrang breite Betätigungsfelder zu geben.
Wir möchten jedoch auch Wegbegleiter sein, Gesprächspartner, und insbesondere in schwierigen Situationen helfend zur Seite stehen.
Es ist uns ein Anliegen, mit den Kindern eine alltagstaugliche Spiritualität zu entwickeln, in der wir uns eingebettet fühlen dürfen in das kosmische Ganze und die uns leben hilft.

Um unsere Schüler und Schülerinnen entwicklungs- und zeitgemäß zu fördern, wollen wir kontinuierlich an der Gestaltung und Weiterentwicklung unseres Schulprofils arbeiten.
Wir möchten, dass die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht nur zum Lernen und Arbeiten in die Schule kommen, sondern ihre - unsere Schule auch als Begegnungs- und Lebensraum erfahren und erleben dürfen, den sie selbst mitgestalten.
Trotz aller Schwierigkeiten, die von Zeit zu Zeit im Alltag auftreten, haben wir Freude daran, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu erleben und zu begleiten.
In diesem Sinne bemühen wir uns, Waldorfpädagogik immer neu zu verstehen und umzusetzen.

Für das Kollegium:
Heidelberg, März 2004 A. Frohmuth

Gemeinsames Leitbild der Waldorfschulen


Waldorfschulen begreifen ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag im Respekt vor der Würde des Kindes und in Wertschätzung menschlicher und kultureller Vielfalt als gemeinsame Verantwortung von Eltern, Lehrern und Erziehern für die gesunde, individuelle Entwicklung der Schüler. Die pädagogischen Impulse Rudolf Steiners bilden die Grundlage der Gestaltung des Unterrichts. Didaktik und Methodik basieren auf der anthroposophischen Menschenkunde und Erziehungskunst.

Waldorfschulen sind Teil des öffentlichen Bildungswesens. Sie beteiligen sich an aktuellen bildungspolitischen Diskussionen und am erziehungswissenschaftlichen Diskurs. Sie treten für Freiheit und Vielfalt im Bildungswesen ein.

Die Waldorfschule steht allen Kindern und Jugendlichen offen, unabhängig von Nationalität, Religionszugehörigkeit, sozialer Herkunft und Finanzkraft der Eltern. Sie achtet die kulturellen Hintergründe der Schüler, erzieht zu weltanschaulicher sowie religiöser Offenheit und veranlagt verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber Natur und Gesellschaft.

Die Waldorfpädagogik gründet sich auf die Beobachtung und das Verstehen der Entwicklung des Kindes und Jugendlichen. Durch ihre besondere, entwicklungsorientierte Pädagogik fördert die Waldorfschule die Schüler nach ihren individuellen Möglichkeiten, sodass sie ihre Fähigkeiten im Sinne einer Selbsterziehung zunehmend auch selbst ausbilden und ihre Anlagen voll entfalten können.

Da sich Didaktik und Methodik auf das Lebensalter und die Entwicklungsbedürfnisseder Schüler beziehen, werden Mädchen und Jungen gemeinsam in altershomogenen Jahrgangsklassen unterrichtet. Der Unterricht ist ganzheitlich: Eine wissenschaftliche Grundhaltung, die künstlerische Gestaltung und spirituelle Offenheit sind wesentliche Elemente in allem Unterricht. Kognitive, künstlerische und praktische Lernfelder sind gleich gewichtet. In den naturwissenschaftlichen Fächern kommt der Betrachtung der Phänomene eine besondere Bedeutung zu. Fremdsprachen werden ab der ersten Klasse unterrichtet. Es gibt waldorfspezifische Fächer (wie z.B. Eurythmie) sowie eigene Förderangebote, je nach Entwicklungsstand, Leistungsfähigkeit und Begabung. Werteorientierung, die Ausbildung sozialer Fähigkeiten und die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit sind wichtige Erziehungs- und Unterrichtsziele.

Die intensive Begegnung von Eltern, Lehrern und Schülern hat eine besondere Bedeutung für den Erziehungs- und Bildungsprozess. Die personelle Kontinuität als ein wichtiges Erziehungsprinzip wird verwirklicht unter anderem durch den täglichen Unterricht des selben Klassenlehrers über viele Jahre, durch feste Bezugspersonen über längere Zeiten sowie durch eine stabile Klassengemeinschaft. Ein gesundes Lernklima wird durch konzentriertes Arbeiten in Epochen sowie rhythmische Gliederung des Unterrichts ermöglicht.

Der Unterricht orientiert sich an den vom Bund der Freien Waldorfschulen veröffentlichten Rahmenlehrplänen und Kompetenzbeschreibungen, die durch Forschung und Praxis evaluiert und weiterentwickelt werden. Die Waldorfschule bereitet ihre Schüler auf einen eigenen Waldorfabschluss sowie auf staatliche bzw. staatlich anerkannte Schulabschlüsse vor.

Für die Lehrer gibt es eine spezielle Ausbildung in Waldorfpädagogik. In der kreativen Ausgestaltung des Unterrichts sind sie frei; sie machen ihre Arbeit transparent und verantworten sie vor Kollegium und Eltern. Die Unterrichtsqualität wird evaluiert. Eine permanente Fortbildung ist Teil der pädagogischen Arbeit. In verschiedenen Modellprojekten werden die Methoden, die Schulstruktur und die Qualität der Waldorfschulen weiterentwickelt.

Waldorfschulen sind wirtschaftlich und rechtlich eigenständig. Das Engagement und die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern sind die Grundlage der gemeinsamen pädagogischen und wirtschaftlichen Trägerschaft einer Waldorfschule. Organisation, Leitung und Verwaltung der Schule werden von Lehrern und Eltern nach den sozialen Impulsen der Anthroposophie selbst gestaltet. Die Lehrer beteiligen sich an der kollegialen Selbstverwaltung der Schulen. Die Verantwortlichkeit für Prozesse und Entscheidungen ist klar definiert und transparent.

Im Sinne ihres ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsansatzes arbeiten die Waldorfschulen mit Waldorfkindergärten zusammen.

Die Waldorfschulen verpflichten sich in gegenseitiger Verantwortung zur regionalen und nationalen Zusammenarbeit im Bund der Freien Waldorfschulen. Darüber hinaus arbeiten sie europa- und weltweit zusammen.

Verabschiedet auf der Mitgliederversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen am 25.10.2009 in Stuttgart